Kein geringerer als Thomas Mann war es, der 1924 an ihrem 60. Geburtstag schrieb: „Denn nicht nur die erste Frau Deutschlands ist es, die man zu ehren hat, es ist wahrscheinlich die erste Europas”. Fast sind heute Werk und Person der Schriftstellerin, Lyrikerin und Historikerin Ricarda Huch (1864–1947) vergessen. Ganz zu Unrecht: Sowohl ihr kulturgeschichtliches Oeuvre an der Schnittstelle zwischen Dichtung und Wissenschaft als auch ihr bewegtes Leben ist der ehrenden Erinnerung wert. Ricarda Huch wird 2014, anlässlich ihres
150. Geburtstages am 18. Juli, mit einer Briefmarke geehrt.
1899 erscheint der erste Band ihrer Studie über die Romantik (2. Band 1902), in der sie die fast schon vergessenen literarischen und intellektuellen Zeugnisse dieser Epoche aufgriff und mit der Gegenwart verknüpfte. Sie wurde dafür mit dem Etikett „Neuromantikerin” belegt, dabei ging es ihr nur darum, aus dem Geist der Romantik zur Erneuerung der Gegenwart beizutragen. Zu einem weiteren Höhepunkt ihres Schaffens wird das Prosaepos über den Dreißigjährigen Krieg „Der große Krieg in Deutschland” (3 Bd. 1912-14). Auch hier gelingt es ihr, wissenschaftliche Genauigkeit mit dichterischer Schöpfungskraft zu vereinen und ein lebendiges Bild der Epoche zu zeichnen.
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 gerät Huch in Widerspruch zum herrschenden Zeitgeist. Mit klaren Worten distanzierte sie sich von der braunen Rassendoktrin. Als vom 5. bis 8. Oktober 1947 in Berlin der erste gesamtdeutsche Schriftstellerkongress seit Kriegsende stattfand, erwuchs ihr nochmals eine bedeutende Rolle als über alle ideologischen Konflikte erhabene Autorität. Bei der Wahl der 83-jährigen Schriftstellerin zur Ehrenpräsidentin erhoben sich alle Anwesenden in einem Akt seltener Einmütigkeit respektvoll von ihren Plätzen. Wenige Wochen später, am 17. November 1947, starb Ricarda Huch.
Article no.: b3093
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