„Let the sun shine in!” Dieses frische Motto könnte den aufstrebenden Architekten Walter Gropius (1883–1969) inspiriert haben. Zu seiner Zeit galt in der Architektur die Neugestaltung von Fabrikhallen als größte Herausforderung und Aufgabe der Zukunft. Gropius hatte neue Ideen und ein wenig Glück. Mit dem Schuhleistenfabrikanten Carl Benscheidt traf er zum richtigen Zeitpunkt auf einen innovativen Unternehmer. Der Firmenchef plante gerade einen Fabrikneubau und zeigte sich von den Plänen des jungen Architekten angetan. Das Fagus-Werk im niedersächsischen Alfeld, das Gropius und sein Mitarbeiter Adolf Meyer zwischen 1911 und 1914 (und in weiteren Baustufen bis 1925) gestalteten, war ein Durchbruch. Kubische Formen, Glas und Stahl als prägender Baustoff, großzügige Fensterflächen: Ein Eindruck von Licht, Durchlässigkeit und Klarheit.
In der Kaiserzeit sind Fabrikgebäude noch dunkel, fensterlos und stickig. Das dreistöckige Hauptgebäude des Fagus-Werks hingegen ist bis auf Sockel und Deckel fast voll verglast, wobei die mit Metall verschalten Fensterflächen stützenfrei um die Ecken reichen. So entsteht eine fast schwerelos wirkende Fensterfassade. Gropius will mit seinen Projekten „human” tätig sein, ihn beschäftigt die soziale Frage: „Der Arbeit müssen Paläste errichtet werden, die dem Fabrikarbeiter, dem Sklaven der modernen Industriearbeit, nicht nur Licht, Luft und Reinlichkeit geben, sondern ihn noch etwas spüren lassen von der Würde der gemeinsamen großen Idee, die das Ganze treibt.” Die Schuhleistenfabrik markiert den Beginn der modernen Industriearchitektur. Bis heute werden hier Schuhleisten gefertigt, aber auch moderne Messtechnik-Systeme für die Holzindustrie. Seit dem Jahr 1946 ist das Fagus-Werk als Baudenkmal eingestuft, seit 2011 zählt es zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Article no.: b3105
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